Grundlagen K

Einführung

Fachbezogene Kommunikationskompetenz drückt sich in folgenden Fähigkeitsbereichen aus (vgl. KMK 2004; Kulgemeyer & Schecker 2009, ESNaS 2011):

A) Sachinformationen fachgerecht weitergeben,

B) Sachinformationen adressatengerecht vermitteln,

C) fachbezogen argumentieren.

Statt von „fachbezogener“ kann man auch von „naturwissenschaftlicher“ Kommunikations­kompe­tenz sprechen. Damit ist die Annahme verbunden, dass das Wissensgebiet der Naturwissenschaften hinsichtlich der Art angemessenen Kommunizierens über die einzelnen Fächer hinweg große Gemeinsamkeiten aufweist. Davon gehen die Bildungsstandards der drei Naturwissenschaften aus, in denen der Kompetenzbereich Kommunikation sehr ähnlich beschrieben wird (KMK 2004).

Es ist davon auszugehen, dass Schüler nicht einfach dadurch fachbezogen Kommunizieren können, indem sie eine gegebenenfalls vorhandene generelle, fachunabhängige Kommunikationsfähigkeit auf naturwissenschaftliche Inhalte anwenden. Fachbezogen Kommunizieren können erfordert mehr als „kommunikativ“ zu sein und etwas über das Fach zu wissen. Vielmehr müssen Kommunikationsfähigkeiten und –mittel erworben werden, die für die Naturwissenschaften bzw. einzelne Fächer spezifisch sind oder die zumindest in den Naturwissenschaften besondere Ausprägungen erhalten. Außerdem ist zwei häufig anzutreffenden Missverständnissen entgegenzutreten, nämlich dass

a) immer wenn Schüler im naturwissenschaftlichen Unterricht miteinander inhaltsbezogen sprechen (z. B. bei Partnerarbeit), fachbezogene Kommunikationskompetenz entwickelt werde und

b) fachbezogene Kommunikation nur im direkten Dialog oder im Gespräch in einer Gruppe stattfinden könne.

Zu a: Das Tun – hier das miteinander sprechen – führt nicht quasi en passant zu prozessbezogenen Fähigkeiten. Erst wenn man das Sprechen über physikalische Sachverhalte (bzw. chemisch oder biologische) selbst zum Thema des Unterrichts macht – z. B. das Verhältnis von Alltags- und Fachsprache – fördert man explizit fachbezogene Kommunikationsfähigkeit.

Zu b: Kommunizieren kann man auch mit einem nur vorgestellten Partner, etwa wenn man eine fachliche Erläuterung für eine bestimmte Zielgruppe aufschreibt und sich dabei genau überlegt, welche Darstellung dafür besonders geeignet ist.

Für die oben genannten Fähigkeitsbereiche A bis C sind insbesondere folgende Fähigkeiten relevant:

•  fachlich angemessene Darstellungsmittel verwenden (z. B. fachtypische Diagramme auswählen/ selbst erstellen),

•  eine für die Kommunikationssituation geeignete Sprachebene verwenden (Fachsprache/ Unterrichtssprache/ Alltagssprache),

•  für eine Erklärung besonders geeignete Veranschaulichungsbeispiele verwenden,

•  fachliche Argumentationsstrukturen anwenden  (dafür muss man z. B. wissen, welche Arten von Aussagen in den Naturwissenschaften als ein Argument akzeptiert werden).

Diese Teilfähigkeiten können z. B. durch folgende Aufgabenformen gefördert werden:

•  Darstellungsformen ineinander überführen, z. B. Bild ⇄ Text ⇄ Begriffsnetz,

•  Sprachebenen wechseln: Fachsprache ⇄ Unterrichtssprache ⇄ Alltagssprache,

•  aus mehreren gegebenen Darstellungsformen und -mitteln fachlich angemessene auswählen,

•  fachliche Sachverhalte präsentieren (auch Ergebnisse eigener Untersuchungen); dabei besonderes Augenmerk auf angemessene Darstellungsformen, Sprachebene und Veranschaulichungsbeispiele legen,

•  jemandem (einer realen oder fiktiven Person) einen Sachverhalt erklären; dabei ist besonderes Augenmerk auf die Eignung der Erklärung für den Adressaten zu legen, z. B. durch gut zugängliche Beispiele und eine angemessene Sprachebene,

•  in einem vorgelegten fachlichen Diskurs Argumentationsstränge analysieren (Thesen/ Gegenthesen, Begründungen),

•  im fachlichen Diskurs selbst eine Position zu einem Sachverhalt vertreten (Überlappung mit Bewertungskompetenz); dabei besonderes Augenmerk auf die Berücksichtigung von und das Eingehen auf andere Positionen legen.